Antrag: „Frühkindliche Bildung“

Veröffentlicht am 13.07.2008 in Kreisverband

Qualitätsoffensive in der Frühkindlichen Bildung

Die SPD im Kreis Ludwigsburg fordert die Landesregierung und die Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger der kommunalen Ebenen dazu auf, Bildung und Erziehung neben der Betreuung als zentrale Aufgabe der Kindertagesstätten anzuerkennen und alles für eine möglichst optimale Aufgabenerfüllung zu veranlassen.

Von der Landesregierung und den Verantwortungsträgerinnen und -trägern in unseren Kommunen erwarten wir:

1. Verbindliche Qualitätsstandards festzulegen, an denen sich Erzieherinnen, Erzieher und Träger von Kindertagesstätten ausrichten können.

2. Die verstärkte Qualifizierung der Erzieherinnen und Erzieher zu ermöglichen. Anerkennungspraktikantinnen und -praktikanten die Möglichkeit zu geben, ihre Ausbildung abzuschließen. Weitere Ausbildungsplätze einzurichten, eine Professionalisierung entsprechend der europäischen Standards und eine Aufwertung der Berufsbilder der in den Tageseinrichtungen Beschäftigten.

3. Die flächendeckende Ausstattung der Einrichtungen mit den dazu nötigen sachlichen und personellen Ressourcen mit dem Ziel der Errichtung von Bildungshäusern.

4. Die Anpassung der Personalausstattung entsprechend den Erfordernissen für eine qualitätsvolle Umsetzung des Orientierungsplans und der Betreuung von Kindern unter 3 Jahren. Dazu ist insbesondere die Vorbereitungszeit auf mindestens 1/3 der Arbeitszeit zu erhöhen, jede Kindergartengruppe in der Hauptbetreuungszeit mit 200% Fachkräften zu besetzen. Es sind regelmäßige Weiterbildungen und Fachberatungen anzubieten.

5. Kindergartenleiterinnen und -leiter von der Gruppenarbeit ausreichend freizustellen, um ihnen die erforderliche Zeit zur Qualität- und Personalentwicklung, Evaluation und Erarbeitung von Konzepten einzuräumen.

6. Die Etablierung eines Programms der professionellen Sprachförderung für alle Kinder, regelmäßige Entwicklungs- und Bildungserhebungen, sowie eine verbindliche und umfassende Verzahnung von Kindergarten und Schule mit dem Ziel der Schaffung einer einheitlichen „Schuleingangsstufe“.

7. Eine inklusive Ausrichtung von Bildungsinstitutionen der Elementarpädagogik sowie der Schulpädagogik.

8. Die Weiterentwicklung von Kindertagesstätten zu Familienzentren für frühkindliche Förderung und als zentrale Anlaufstelle für Beratung, Eltern- und Familienbildung in Verbindungen mit Bildungsträger und Einrichtungen der Jugendhilfe, insbesondere auch der Schaffung eines Angebots für Elternteile zum begleitenden Erlernen der deutschen Sprache während der Öffnungszeiten.

9. Die schrittweise Einführung des beitragsfreien Kindergartens, beginnend mit dem letzten Kindergartenjahr.

10. Flankierende Maßnahmen zur Verbesserung der Betreuungs- und Erziehungssituation von Kindern. Insbesondere Hausbesuchsprogramme im Sinne einer aufsuchenden Eltern- und Familienarbeit in enger Kooperation mit der Jugendhilfe, der Qualifizierung von Tagesmüttern, Vernetzung aller Beteiligten bis hin zu allen Bildungs- und Beratungseinrichtungen, um rechtzeitig Hilfen oder Interventionen anzubieten.

11. Eine am Konnexitätsprinzip ("wer bestellt bezahlt") orientierte, faire finanzielle Lastenverteilung mit dem Ziel, dass Bildung vom Kindergarten bis zur Hochschule beitrags-frei ist.

Begründung:

Kinder entdecken von Geburt an ihre Welt, ertasten, erfühlen und erkunden sich und ihr Umfeld - sie lernen. Dazu brauchen sie verlässliche Erwachsene, die sie in ihrem Handeln durch Blickkontakt, Gesten und Zuwendung unterstützen und begleiten. Kinder nehmen wahr, wie sie bei ihren Lernbemühungen angenommen werden, das gibt ihnen Sicherheit und schafft Anreiz immer neues zu probieren. Diese frühe wertschätzende Erfahrung legt das Fundament für die Bildungsbiografie aller Kinder.

Doch nicht alle Kinder haben von Geburt an die Chance für gelungene Anfänge ihrer Bildungsbiografie. Sie leben in unterschiedlichen Lern- und Lebenswelten, die von der Familienstruktur und Lebenswelt der Eltern abhängen. Dort wo Eltern nicht in der Lage sind, Betreuung und Erziehung im notwendigen Maße allein zu leisten, sollen sie professionelle Unterstützung in Anspruch nehmen können. Dort wo Betreuung und Erziehung in einem Maße fehlt, dass zu befürchten steht, dass die gesellschaftlichen Folgekosten höher sind als die Kosten für Hilfe und Unterstützung durch den Staat, ist es in dieser frühen Phase der kindlichen Entwicklung sogar gesellschaftliche Pflicht, die Chancengerechtigkeit der Kinder zu verbessern.

Kindertageseinrichtungen müssen dabei dort ansetzten, wo die Kinder stehen, sie in ihrer Entwicklung fördern, Bildungsangebote machen und die Familien in ihrer Erziehung unterstützen.

Damit die Kindertageseinrichtung zu Bildungsorten werden können, müssen Personalausstattung, Aus- und Weiterbildung und die Rahmenbedingungen, wie Gruppengröße und Ausstattung, verbessert werden. Besonders mit dem Blick auf das Jahr 2013, wenn 35% der Einjährigen das Recht auf einen Betreuungsplatz haben, muss schon heute die Quote der Ausbildungsplätze deutlich erhöht werden. Die Qualität der Bildungsorte allein reicht allein aber nicht aus, Kinder in ihrer Bildung und Erziehung zu unterstützen. Alle Akteure rund ums Kind, wie Gemeinde und Stadt, Kreis und Land, sind gefordert, das Kind und seine Familie zu unterstützen.

Im Bereich der Elementarbildung macht sich die SPD auf den Weg zur konsequenten Aufwertung frühkindlicher Bildung. Die Grundlagen für den weiteren Bildungserfolg werden in den ersten Lebensjahren gelegt. Wir wollen deshalb, dass alle Kinder die gleichen Chancen haben, an Bildung teilzuhaben - von Anfang an und unabhängig von ihrer sozialen Herkunft.

Qualitativ hochwertige Kindertagesstätten können Eltern in der Erziehung unterstützten. Kinder treffen andere Kinder, tauschen sich aus, lassen sich anregen, nehmen mit ihnen Beziehungen auf und setzen sich mit anderen Kindern auseinander, bekommen in der sprachlichen Entwicklung neue Impulse.

Der Lebensweg von Kindern wird schon im sehr frühen Alter vorgezeichnet. In Elternhäusern, die die Zeit, die Fähigkeit und die persönlichen Ressourcen besitzen, werden Kinder auf vielfältige Weise gefördert. In vielen Familien hängt diese Förderung nur an einer Person und auch bei zwei Personen reichen die Ressourcen aus vielfältigen Gründen nicht immer aus, um Kindern diese wichtige Unterstützung zu geben. Dort, wo nur noch ein Kind in der Familie ist und Geschwister fehlen, können sich Kinder auch nicht mehr automatisch mit anderen Kindern austauschen.

Auch für Kinder aus personell und sozial intakten Familien kann die frühe Förderung in einer Bildungseinrichtung damit ein wichtiger Bestandteil zur Persönlichkeitsentwicklung sein. So kommt die Bertelsmann-Stiftung in ihrer jüngsten Expertise zu dem Ergebnis, dass der Besuch einer Kindertageseinrichtung zu größeren Bildungschancen führt.

Die Kindertagesstätten und Kindergärten verstehen sich zunehmend als Bildungs- und -Entwicklungseinrichtung. Die Erzieherinnen sind hoch motiviert, den Orientierungsplan um-zusetzen. Zu den Umsetzungen der Bildungsfelder kommt die Dokumentation der Entwicklungs- und Bildungsbeobachtungen und eine ausführliche Elternarbeit - die Elternpartnerschaft. Dazu ist die zureichende personelle und fachliche Ausstattung, aber sind auch die qualitativen Anforderungen zu erfüllen. Nach wie vor ist jedoch der Regelkindergarten mit bis zu 28 Kindern pro Gruppe und 1,5 Fachkräften die normale Situation. Sprachförderung, das Erkennen von Defiziten, die nicht mehr im Kindergarten, sondern von anderen Institutionen behandelt werden müssten, erwerben sozialer Kompetenz, Einblicke in fremde Lebenswelten, hineinschnuppern in die Berufswelt, Umwelterziehung und vieles mehr sind pädagogisch wichtige Kernelemente(n) frühkindlicher Bildung und können in solchen Gruppen mit so wenig Personal nicht geleistet werden.

Den Einrichtungen sind die notwendigen personellen und sachlichen Ressourcen zur Verfügung zu stellen. Dazu gehört nicht nur ausreichend Personal, sondern auch die nötige Zeit und Unterstützung, im Bereich Erziehung und Bildung qualitativ hochwertige Arbeit leisten zu können. Die Verzahnung mit der Schule soll einen leichten Übergang in die Grundschule leisten und Widersprüchlichkeiten verhindern helfen.

Flankierend zu der Arbeit in den Kindertagesstätten sollen aufsuchende Familienprogramme gerade in schwierigen familiären Situationen die Lebenssituation der Kinder weiter verbessern. Betreuung durch Tagesmütter kann in der Zeit, in der andere Formen qualifizierter Betreuung nicht verfügbar oder gewünscht sind, zugleich für alle Familien eine willkommene Unterstützung sein. Eine entsprechende Grundqualifikation und Qualitätssicherung ist jedoch auch in diesem Bereich im Interesse der Kinder wünschenswert. In der Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Trägern und Angeboten könnte so die Erziehungs-, Best-reuungs- und Bildungssituation aller Kinder erheblich verbessert werden und im Falle prob-lematischer Familienverhältnisse nicht nur Schaden vom Kind abgehalten, sondern auch wesentlich mehr Chancengerechtigkeit hergestellt werden.

Die Finanzierung dieser Forderungen trifft Land und Kommunen gemeinsam. Betreuung ist dabei eine originäre Aufgabe der kommunalen Ebene, Bildung steht in der Verantwortung des Landes. Die gemischte Aufgabenerfüllung durch kommunale Kindertagesstätten erfordert daher eine faire Lastenverteilung unter Beachtung des Konnexitätsprinzips. Dort, wo dieses heute schon nicht erfolgt, fordern wir das Land auf, seinen Beitrag zu leisten. Zugleich bleibt die Kommune dem Wohl auch ihrer jüngsten Bürgerinnen und Bürger verpflichtet. Schon im eigenen Interesse muss sie die Lösung der bestehenden Probleme bei Bildung, Betreuung und Erziehung umgehend in eigener Verantwortung angehen, soweit die Mittel und Möglichkeiten dazu vorhanden sind. Dieses muss mindestens die gleiche Priorität genießen, wie die Klärung streitiger Fragen der Lastenverteilung.

 

Jetzt Mitglied werden

Jetzt Mitglied werden

Aktuelle Termine aus dem Kreis

Alle Termine öffnen.

18.12.2018, 19:00 Uhr - 22:00 Uhr
Murr - Gemeinderatssitzung
10.01.2019, 19:00 Uhr
Vorstandssitzung
12.01.2019, 10:30 Uhr
Kommunalpolitische Gesprächsrunde
Alle Termine