Chronik 100 Jahre SPD in Erdmannhausen

Veröffentlicht am 05.10.2011 in Ortsverein

Vorwort: Im Jahre 2006 berichtete Herr Dieter Duill in der Reihe „Erdmannhäuser Geschichte und Geschichten“ im Gemeindeblatt Erdmannhausen in fünf Folgen von seinen Nachforschungen über die Arbeiterbewegung in Erdmannhausen. Wir danken Herrn Duill sehr dafür, dass wir seine Berichte für unsere Jubiläumsbroschüre verwenden dürfen, sind sie doch eine fundierte geschichtliche Darstellung. Im Folgenden bringen wir eine gekürzte Fassung.

Am 05. Januar 2006 berichtete Dieter Duill über die Anfänge von Arbeiterverein und SPD in Erdmannhausen. „Anfang September 1887 verteilten junge Steinheimer Schreinergesellen in Erdmannhausen sozialdemokratische Wahlflugblätter eines Kandidaten für die Reichstagswahl. Mit der Begründung, der Inhalt sei geeignet, „den Klassenhaß zu schüren“, ließ Schultheiß Pfähler die noch greifbaren Exemplare durch Polizeidiener Bernhard Bauer vorläufig beschlagnahmen. Pfähler berief sich auf das von Reichskanzler Bismarck im Reichstag 1978 durchgepaukte Gesetz gegen gemeingefährliche Bestrebungen der Sozialdemokratie“. „Pfähler versuchte aber auf diesem Wege, das Vordringen sozialdemokratischer Ideen in der Gemeinde zu behindern. Auch noch lange nach Aufhebung des Sozialistengesetzes versuchte Pfähler am Ort der SPD Steine in den Weg zu legen. Im Februar 1909 verweigerte er die Genehmigung für eine nur geringfügig verspätet angemeldete sozialdemokratische Versammlung im Gasthaus zur Sonne, worüber die sozialdemokratische Zeitung Schwäbische Tagwacht (ST) kritisch-ironisch berichtet. Nach erneuter fristgerechter Anmeldung durch einen Kreisvorstand versuchte er erneut, die SPD mundtot zu machen: Er ließ die Versammlung nicht im ganzen Ort ausschellen, damit „die heilige staatstreue Ortsschelle unter seiner Herrschaft nicht entweiht werde“, wie er laut ST erklärte. Versammlungen anderer Parteien jedoch, wie z.B. des konservativen Bauernbundes, ließ er anstandslos auf diesem Weg bekannt machen.“ „Im Frühjahr 1911 gründete eine Gruppe von etwa 15 bis 20 Männern einen sozialdemokratischen Arbeiterverein, dessen Ziel es sein sollte, die sozialen und kulturellen Verhältnisse der „breiten Volksschichten“ zu bessern. Die Gründung war von dem bereits 1894 gebildeten Marbacher Ortsverein starkunterstützt worden, besonders von dem Holzbildhauer Wilhelm Schenk, dem „geistigen Kopf“ der Marbacher Sozialdemokratie. Erster Vorsitzende wurde der Schreiner Karl Hirsch, zweiter der Gipser Gottlob Leibold, der später 1. Vorsitzender wurde.“ „Die Sozialdemokraten blieben in den Jahren vor dem 1. Weltkrieg noch immer ausgegrenzt, da ihnen große Teile der Bevölkerung ablehnend gegenüberstanden, so natürlich auch die „Ehrbarkeit“ des Dorfes, was folgendes Beispiel zeigt: 1912 fand zur üblichen . 1912 fand zur üblichen „Feier des Geburtsfestes Seiner Majestät des Königs“ Wilhelm II. ein Festzug der Dorfhonoratioren, der Schüler und der Vereine vom Rathaus zur Kirche statt. Der Arbeiterverein stand nicht auf der Liste von Pfarrer Weibrecht und Bürgermeister Pfähler.“ „Nach der Novemberrevolution von 1918 wurde in der Oberamtsstadt Marbach rasch ein Arbeiterrat von Arbeitern gewählt, der jedoch nicht die „Regierung“ der Stadt übernahm. Seine Mitglieder kümmerten sich um soziale Belange, z.B. um die schwierige Lebensmittelversorgung, um die Wiedereingliederung der heimkehrenden Soldaten in das Arbeitsleben und um die Linderung der Wohnungsnot. Etwa Anfang März 1919 bildete sich in Erdmannhausen ebenfalls ein Arbeiterrat mit Karl Dietrich, Friedrich Ruoff, Karl Ehmann, Gottlob Händle und Albert Kienzle. Doch der konservative Schultheißenamtsverweser, der Kaufmann Karl Klotz, witterte sozialistische Eingriffe in seine Amtsführung und wollte dieses Gremium zunächst nicht anerkennen. Er lasse sich „vom A.R. überhaupt nichts dreinreden“, meinte er. Nach einer Beschwerde von Wilhelm Schenk, dem nunmehrigen Vorsitzenden des provisorischen Bezirksausschusses der Arbeiter-und Bauernräte in Marbach, beim übergeordneten württembergischen Landesausschuss erfolgte schließlich die Anerkennung. Über die Aktivitäten des hiesigen A.R. schweigen die herangezogenen Quellen. Wir dürfen aber vermuten, dass er wie in Marbach vorrangig soziale Belange zu seiner Aufgabe machte. Im April 1920 lösten sich die A.R. im Bezirk auf.“ „Vertreter der Arbeiterbewegung konnten in dieser Zeit zum ersten Mal nach dem 1. Weltkrieg Sitze in einer Erdmannhäuser Gemeinderatswahl gewinnen. Am 18. Mai 1919 traten nur Kandidaten der Wählervereinigung des Landwirtschaftlichen Ortsvereins und der SPD an. Von den 12 Mandaten entfielen mit dem Gipser Gottlob Reichert, dem Zimmermann Friedrich Ruoff („Anmerkung der Redaktion: Friedrich Ruoff war der Großvater des heutige SPD-Gemeinderats Gerhard Sautter“) und dem Maurer Gottlob Jenner drei auf die SPD. Die sozialdemokratischen Gemeinderäte konnten nun gleichberechtigt im Ortsparlament ein Wort mitreden und direkt mitbestimmen.“ „Der hiesige Arbeiterverein war der einzige in der Region, dem 1924 noch eine eigene Gesangs- und 1930 eine Fußballabteilung (Sportabteilung) unter einem Dach angegliedert wurden. Wegen der Gründung eines Arbeiterradfahrervereins verhielt sich der Arbeiterverein zunächst noch zurückhaltend. Er hoffte, dass sich der bürgerliche Radfahrverein „Wanderer“ zum Anschluss an den Arbeitersport bewegen lasse. Erst nach Fertigstellung des Arbeiterheims im Jahre 1931 fanden die bürgerlichen Wanderer den Weg in den Arbeiterrad-und Kraftfahrerbund „Solidarität“. „Seit seinem Eintrag in das Vereinsregister des Marbacher Amtsgerichts am 23. Januar 1931 firmierte der sozialdemokratische Verein nun als „Arbeiterverein Erdmannhausen e.V.“. Er hatte 105 Mitglieder. In der Satzung heißt es unter § 2: Zweck des Vereins ist, die sportliche und kulturelle Weiterentwicklung seiner Mitglieder zu fördern. Der Verein stellt gemeinnütziges Streben in den Vordergrund; durch Anlegen eines Spielplatzes mit den dazugehörigen Baulichkeiten, weiterer Ausbau seiner bereits bestehenden Bibliothek und sonstiger Wohlfahrtseinrichtungen.“ Am 13. Januar 2006 berichtet Dieter Duill im Gemeindeblatt unter der Überschrift: „Der Arbeiterverein baut ein Eigenheim“ unter anderem: „Bekanntlich beginnt in Schwaben der Mensch erst beim Hauseigentümer. Im Januar 1931 erwarb der Arbeiterverein am südlichen Ortsende (an der Affalterbacher Straße) einige Ackergrundstücke, um dort einen „Spielplatz“ und eine „Spiel - und Sporthalle zu errichten“. Bis jetzt war man immer nur Gast in Wirtshäusern wie der Rose gewesen. Ein eigenes “Vereinsheim“ mit Sportplatz zu besitzen, bedeutete nicht nur Selbstrepräsentation, sondern auch „räumliche Absicherung“ gegenüber den immer noch vorhandenen Anfeindungen im Dorf. Mitte Februar 1931 schloss die Gemeinde mit dem Arbeiterverein wegen der geplanten Anlagen einen Vertrag nach dem Motto „Gibst du mir, geb ich dir“! Der Verein trat von den erworbenen Parzellen ca. 4 Ar „zur Straßenverbreiterung Marbach – Erdmannhausen“ unentgeltlich an die Gemeinde ab. Dafür bezahlte die Gemeinde dem Verein als Gegenleistung die Erdbewegungen und das Abheben des Geländes bis auf Bodenhöhe der Straße die „runde Summe von 300 RM“ bar auf die Hand. Durch die Erdarbeiten entstand aus dem kaum 4 m breiten Ortsweg, der in die Straße nach Affalterbach einmündete, ein großer freier Platz mit einer Breite von 15 Metern. Gleichzeitig mit dem Vertrag beschloss der Gemeinderat, wegen der Grunderwerbs – und Baukosten eine Bürgschaft bis zum Betrag von 20.000 RM für ein durch die Arbeiterpensionskasse Stuttgart an den Bau – und Sparverein Kornwestheim zu gewährendes Baudarlehen zu leisten. Die von der Gemeinde verlangte Rückbürgschaft übernahmen 23 „zahlungsfähige“ Männer. Bekanntlich standen alle Anlagen des Arbeitervereins dann auch der Gemeinde zur Verfügung. Bis zum Juli dieses Jahres wurde unter der Leitung des Bautechnikers Ernst Ruoff an der Anlage des Sportplatzes und der Errichtung der Halle gearbeitet.“ In der Zeit der Weltwirtschaftskrise (1929-1933) diente der bau auch als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, denn neben „Gewerbetreibenden“ fanden auch Erwerbslose Beschäftigung.“ Die Frage der Finanzierung war vorbildlich gelöst worden. Für die Verzinsung und Rückzahlung der Schuldenlast spielte die Bewirtschaftung des Arbeiterheims eine wesentliche Rolle. Die berührte zwar die Interessen der örtlichen Gastwirte, doch wurde die vom Gemeinderat befürwortete Konzession „zum Ausschank von Bier, Wein, Most und Branntwein“ vom Bezirksrat erteilt. Albert Kienzle wurde Wirtschaftskassier.“ Der Festsaal der Halle hatte eine Länge von 26 m und eine Breite von 16 m und bot annähernd 400 Personen Platz. Sie verfügte über eine geräumige Theaterbühne für Sport – und Gesangsdarbietungen. Die Sängerabteilung besaß einen Flügel der Pianofortefabrik Kaim & Sohn Kirchheim/Teck, der drei Generationen hinweg 60er Jahre hinein gediegene schwäbische Qualitätsarbeit ablieferte“. Mit einem großen Fest wurde am 18. Und 19. Juli 1931 das neue Arbeiterheim eingeweiht. Bei einem Festbankett am Samstagabend war die Halle bis auf den letzten Platz besetzt. Der Vorsitzende des Arbeitervereins, Albert Ruoff, begrüßte die Gäste und betonte besonders, dass die Opfer, die einzelne Vereinsmitglieder auf sich genommen hatten, „riesengroß“ gewesen seien. Da es bekanntlich ein Ziel der Arbeitervereine war, die kulturelle Weiterentwicklung ihrer Mitglieder zu fördern, stand viel klassische Musik im Mittelpunkt des Musikprogramms. Es sangen die Gesangvereine „Hoffnung“ Benningen, „Vorwärts“ Murr und die Sängerabteilung des Arbeitervereins Erdmannhausen, begleitet von der Kapelle Schelling aus Kornwestheim. Am Festsonntag musste der geplante Festzug wegen Dauerregens abgesagt werden. Bei der Nachmittagsveranstaltung in der neuen Festhalle begrüßte der damalige Bürgermeister Pfeiffer die Gäste. Wilhelm Keil, Mitglied des württembergischen Landtags, übermittelte die Grüße und Glückwünsche im Auftrag des SPD -Landesvorsitzenden Erich Roßmann. In seiner sehr politischen Rede ging Keil auf die Weltwirtschaftskrise ein, die zu Lohn – und Gehaltskürzungen und Steuererhöhungen bei steigender Arbeitslosigkeit führte. Dies führte zur Schrumpfung der Wirtschaft und Radikalisierung der extremen Parteien NSDAP und KPD. Wilhelm Keil stellte fest, dass Paraden des Stahlhelm (Bund der Frontsoldaten) und Hakenkreuzlerdemonstrationen geeignet seien, das Ansehen Deutschlands im Ausland zu untergraben. Dagegen setze sich die Sozialdemokratie zum Ziel, eine fruchtbringende Verständigung unter den Völkern anzubahnen. Man höre seit Jahren die Mahnung zum Sparen. Aber der Apell richte sich „immer an die Bevölkerungsschicht, der zum Sparen das Geld“ fehle. Am Ende heißt es in dem Bericht der Neckar – Post vom 22. Juli 1932: „Lebhafter Beifall belohnte den Redner für seine belebenden und anfeuernden Worte“. Im Bericht im Gemeindeblatt vom 20. 01.2006 berichtet Dieter Duill weiter: „Von nun an konnten endlich Versammlungen und Veranstaltungen des Arbeitervereins im eigenen Haus und auf dem Spielplatz stattfinden“. Am 03. Februar 2006 berichtete Herr Duill unter der Überschrift: “Das Aus für den Arbeiterverein und seine Spielplatzhalle“. Wir zitieren auszugsweise: „Im Jahr vor der „Machtergreifung“ waren die Wahlerfolge der Nationalsozialisten während des Höhepunkts der Weltwirtschaftskrise und der Massenarbeitslosigkeit für die Demokratie äußerst bedrohlich geworden. Hatten die Nationalsozialisten bei der württembergischen Landtagswahl im Mai 1928 lediglich ein Mandat erringen können, gelang ihnen am 24. April 1932 ein großer politischer Erfolg: Mit 23 Abgeordneten zog die NSDAP in den Landtag ein und bildete dort die stärkste Fraktion“. „Gegen diese Bedrohung durch den Rechtsextremismus und auch wegen der Verarmung breiter Volksschichten zeigte die „Eiserne Front“ Mitte Juli 1932 im Raum Marbach öffentlichkeitswirksam Flagge. Sie war im Dezember 1931 auf Initiative des republikanischen Kampfbundes Reichsbanner „Schwarz-Rot-Gold“ und unter Beteiligung der SPD, des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes und des Arbeitersportbundes ins Leben gerufen worden. Nach dem Aufruf „Männer und Frauen erscheint in Massen. Zeigt, dass ihr kämpfen wollt gegen die Verelendungspolitik. Nieder mit dem Faschismus!“ versammelte man sich auf dem Marbacher Spielplatz. Unter Beteiligung von Mitgliedern des Sozialdemokratischen Vereins Marbach und des Arbeitervereins Erdmannhausen zog der etwa 200 Teilnehmer umfassende „Propagandamarsch“ mit einer Kapelle und einem Trommler- und Pfeifenkorps durch die Stadt. Danach ging es durch Murr und Steinheim nach Erdmannhausen ins Arbeiterheim, wo die zentrale Kundgebung stattfand.“ „Nach der Bildung einer nationalsozialistischen württembergischen Regierung Mitte März 1933 erfolgte umgehend „auf höhere Weisung“ die polizeiliche Schließung der Arbeiterheime in Marbach, Steinheim und Erdmannhausen. … Im Juni wurde die SPD verboten und mit ihr der Arbeiterverein aufgelöst. Aufgrund der durch das württembergische Staatsministerium erlassenen Verordnung über die Einziehung volks – und staatsfeindlichen Vermögens vom 14. September 1933 wurden die „Sachen und Rechte“ der KPD und der SPD des Landes Württemberg eingezogen. Bereits Mitte Juli hatte der zur Erbauung und Finanzierung des Arbeiterheims und des Sportplatzes eingeschaltete Bau – und Sparverein Kornwestheim, der als Eigentümer im Grundbuch eingetragen war, sein Anwesen an den Arbeiterverein für 41.491,95 RM verkauft. Nach Übernahme einer Hypothek und schon geleisteter Zahlungen durch den Arbeiterverein blieb noch eine Restkaufpreisforderung des Verkäufers von rund 9.500 RM. Einige Monate später wurden die verbleibenden 9.201,25 RM auf einen Heinrich Schumm aus Vaihingen umgeschrieben. Für das Darlehen bürgten die Mitglieder des Arbeitervereins. Nach der Auflösung des Vereins durch die Nazis kündigte Geldgeber Schumm sein Darlehen und verlangte umgehend Rückzahlung. … Bei einem Vergleich wurde der Kaufvertrag vom Juli 1932 rückwirkend aufgelöst. Der Bau – und Sparverein Kornwestheim verkaufte nun das ehemalige Arbeiterheim und den Sportplatz zum „Schnäppchenpreis“ von 12.000 RM an den Turnverein Erdmannhausen“. „…. Es waren in erster Linie Männer des Arbeitervereins, bzw. der seit Herbst 1945 wieder bestehenden SPD – Ortsgruppe, die sich um den Wiederaufbau demokratischer Verhältnisse am Ort bemühten – allen voran die ehemaligen SPD – Gemeinderäte Gottlieb Ehmann und Albert Kienzle, die auf Betreiben der Nazis im Mai 1933 aus dem Gemeinderat entfernt worden waren. Gottlieb Ehmann wurde bekanntlich der erste Bürgermeister nach dem Krieg (1945-1948). Albert Kienzle, der als Betriebsrat bei der Reichsbahn nach der NS – Machtergreifung wegen „staatsfeindlicher“ Tätigkeit anderthalb Jahre lang arbeitslos war, wurde im Herbst 1945 sowohl Vorsitzender des Arbeitervereins als auch des Gesang – und Sportvereins und gehörte bis Ende 1947 dem Gemeinderat an. Im Januar 1948 wurde er vom Amt für Vermögenskontrolle Ludwigsburg zum Treuhänder des Arbeitervereins bestellt. Laut des nur zwei Monate zuvor von der amerikanischen Militärregierung in Kraft gesetzten Rückerstattungsgesetzes waren entzogene „Vermögensgegenstände“, die durch „Maßnahmen der NSDAP“ erfolgte, zurückzugeben. „Rechtsgeschäfte“ während der NS – Diktatur wurden als Vermögensentzug angesehen. Das trifft natürlich auf den „Sale“ des Arbeiterheims an den Turnverein zu. Daher wurde die Frage des Eigentums an der Halle im Frühjahr 1948 akut. In der Hauptversammlung des Arbeitervereins am 05. Juni 1948 beschloss man die endgültige Konstituierung des Vereins und eine neue Satzung wurde festgelegt. Dort heißt es dass er die Ziele der SPD fördere und unterstütze und es sich zur Aufgabe mache, „allen Ortseinwohnern ohne Unterschied des Standes oder Berufs in politischen, wirtschaftlichen, arbeitsrechtlichen und allen sonstigen das Gemeinwohl fördernden frage Ratgeber zu sein“. Auch sei der (im Geiste des Nationalsozialismus) erzogenen Jugend besondere Aufmerksamkeit zu schenken und bei Gelegenheit eine Jugendgruppe zu bilden. Auf die Bildung einer eigenen Gesang – und Sportabteilung verzichtete man, solange sich die Tätigkeit des bestehenden Gesang – und Sportvereins in politisch neutralem Rahmen bewege.“ „…Ende Dezember wurde der Arbeiterverein erneut in das Vereinsregister in Marbach eingetragen. Für den Vorstand unterzeichneten als 1. Vorsitzende der Schreiner Otto Ballreich und als 2. Der Gipser Paul Herzer. Karl Prohaska wurde Kassier“. „Die Enteignung des Arbeitervereins im Frühjahr 1933 und der Verkauf der Halle zwei Jahre später war schreiendes Unrecht gewesen. Also kam „als alleiniger Rechtsnachfolger und Anspruchssteller für die Turn – und Sängerhalle samt Sportplatz“ nur der Arbeiterverein in Betracht, wie im Mai 1948 das Amt für Vermögenskontrolle dem Gesang – und Sportverein mitteilte, der ebenfalls Eigentumsansprüche erhoben hatte. Sein Vorgänger war der gleichgeschaltete Turn – und Gesangverein, dessen Mitglieder zehn Jahre lang während der Nazi – Zeit auch Zeit, Geld und Arbeit zur Erhaltung des Anwesens investiert hatten. Bis zur endgültigen Klärung der Eigentumsfrage stand das gesamte Eigentum unter Vermögenskontrolle. Treuhänder wurde Albert Kienzle. Von Einmütigkeit und Frieden zwischen den beiden Vereinen konnte nun keine Rede mehr sein.“ „Nach langen und kontrovers geführten Verhandlungen in Ausschüssen der beiden Vereine, deren Vorsitzender in Personalunion bis 1948 Albert Kienzle war, erklärte sich der Arbeiterverein bereit, auf seine Rechtsansprüche am Anwesen zu verzichten. Allerdings betonte man seitens des Arbeitervereins, dass dies nur unter der Voraussetzung geschehen könne, dass sich der GSV politisch auf neutraler Grundlage bewege und den Arbeiterverein seine Tätigkeit unbehindert ausüben lasse. Diese Neutralität wurde auch zugesagt. Als das Ganze in einer Generalversammlung des GSV im Mai 1948 abgesegnet werden sollte, haben „sich die in der Zwischenzeit entnazifizierten früheren Parteigenossen und führende Persönlichkeiten des Turn – und Gesangvereins von 1933-1945 wieder hervorgewagt und erklärt“, sie seien noch die rechtmäßigen Eigentümer, wie der Vorsitzende des Arbeitervereins, der Schreiner Otto Ballreich, im März 1949 schreibt.“ „Nach langen weiteren Verhandlungen und teils heftigen Debatten zwischen Arbeiterverein und GSV, bei denen der Treuhänder, Albert Kienzle, als weiser Salomon immer wieder zu Vernunft und Einsicht mahnte, kam es im November 1949 schließlich zu einer Einigung. Diese erhielt Ende März 1950 vor dem Schlichter für Wiedergutmachung beim Amtsgericht Stuttgart Rechtskraft: Halle und Sportplatz wurden gemeinschaftlich ungeteiltes Eigentum beider Vereine. Ein „Elferrat“ regierte über dieses Eigentum mit Albert Kienzle, Gottlieb Ehmann (Bürgermeister a.D.), Otto Ballreich, Robert Glock, Ernst Kienzle vom AV, und Ernst Kazenwadel, Otto Mast, Otto Gerlach, Reinhold Kienzle und Hermann Hüber vom GSV. Vorsitzender wurde Ernst Trefz“. „Am Sonntag, dem 09. September 1962 feierte der 1911 gegründete Arbeiterverein um ein Jahr verspätet seinen 50. Geburtstag, zusammen mit dem auch in Erdmannhausen stattfindenden Kreis - Sommertreffen der SPD Ludwigsburg. Der Vorsitzende des Arbeitervereins, Adolf Auracher, begrüßte unter besonders starkem Beifall, wie die Marbacher Zeitung am 10. September schreibt, den baden – württembergischen Innenminister a.D. Fritz Ulrich (1888-1969)“…. …“1962 hatte der Arbeiterverein 59 Mitglieder. Doch in den folgenden Jahren wurde er zum Auslaufmodell. Da der Verein nach dem Zweiten Weltkrieg keine Sport – und Gesangsabteilung mehr hatte und der SPD – Ortsverein zum eigentlichen politischen Forum wurde, litt er an Überalterung mangels neuer Mitglieder. … 1973 umfasste der Arbeiterverein nur noch 20 Mitglieder. …Am 6. November 1973 läutete eine außerordentliche Generalversammlung das endgültige „Aus“ des Arbeitervereins ein. Erich Blöth, der Wirtschaftskassier des Vereinsheims, berichtete von der Finanzlage. Auf dem Gebäude und den Anlagen lagen hohe Schulden bei gleichzeitig anstehenden Investitionen. Daher war eine weitere Entschuldung nur eingeschränkt möglich. In Anbetracht dieser wenig erfreulichen Tatsachen blieb dem Arbeiterverein nur der Weg der Auflösung nach § 14 seiner Satzung von 1948, worin es in Satz zwei heißt: “Sollte der Verein durch ¾ Mehrheit aller Mitglieder eine Auflösung oder grundsätzliche Umgestaltung erfahren, so geht das ganze Vereinsvermögen in den Besitz der Gemeinde über. Die Auflösung des Vereins wurde einstimmig von den nur zehn Anwesenden beschlossen und von denen, die bereits vorher abgestimmt hatten. Am 15. Januar 1974 strich das Amtsgericht Marbach den Arbeiterverein aus dem Vereinsregister“. „Nachdem der Gemeinderat am 30. Oktober 1974 einstimmig die Übernahme des Vereinsvermögens beschlossen hatte, wurde in der Notariatskanzlei Steinheim/Murr am 30. Dezember des Jahres der Grundstücksübertragungsvertrag abgeschlossen. …Die Gemeinde erhielt die Miteigentumshälfte des Arbeitervereins an Halle und Grundstück. Als Gegenleistung hatte die Gemeinde einen Kaufpreis von rund 42.000 DM zu entrichten. Dieser Betrag entsprach den Verbindlichkeiten des aufgelösten Arbeitervereins aus den gemeinsamen Konten mit dem GSV über rund 83.500 DM an Darlehen, Überziehungen etc. bei der Genoba Erdmannhausen. Außerdem räumte die Gemeinde dem SPD _Ortsverein als indirektem Nachfolger des Arbeitervereins das Recht ein, Veranstaltungen auf dem Grundstück, bzw. in den Räumlichkeiten, zu genau festgelegten Zeiten durchzuführen“. Soweit aus den Aufzeichnungen von Dieter Duill im Erdmannhäuser Gemeindeblatt im Jahre 2006. Der SPD – Ortsverein hat nach dem Zweiten Weltkrieg regelmäßig bei allen Gemeinderatswahlen eine Bewerberliste aufgestellt. Lange Jahre stellte die SPD die größte Fraktion im Gemeinderat. Die Arbeit der SPD – Gemeinderäte ist bis heute an den Bedürfnissen der Bürgerinnen und Bürger ausgerichtet. Soziale Aspekte spielen bei ihren Entscheidungen eine zentrale Rolle. Wie alle Großorganisationen wie Parteien, Gewerkschaften und Kirchen ist auch die SPD vom mangelnden Interesse der Mitbürger an politischen Themen betroffen. Jüngere Menschen sind immer weniger bereit, sich politisch zu engagieren. Neue Themen kommen an die Oberfläche. Diese müssen aufgegriffen und einer Lösung zugeführt werden. Die SPD in Erdmannhausen hat in ihrer 100 jährigen Geschichte gezeigt, dass sie fähig war, in der Gemeinde und im Gemeinderat durch Sachkunde und Engagement maßgeblich Einfluss zu nehmen und die Lebensverhältnisse der Menschen zu verbessern und Erdmannhausen zu einem liebens- und lebenswerten Ort zu machen. Dass dies so bleibt, ist es notwendig, dass sich auch in Zukunft Menschen in der SPD engagieren.

 

Kommentare

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Autor: Tangela, Datum: 20.12.2011


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Autor: Dalton, Datum: 18.12.2011


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Autor: Solyn, Datum: 17.12.2011


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Autor: Jahlin, Datum: 17.12.2011


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