Podiumsdiskussion „Zukunftschance Kinder - Bildung von Anfang an“ am 20. November 2008

Veröffentlicht am 25.11.2008 in Landespolitik

Ute Falkenberg, Rainer Fröbel, Beatrice Kenntner, Lars Barteit, Bastian Brucklacher, Dr. Frank Mentrup MdL (v. l. n. r.)

Die SPD-Bottwartal veranstaltete am 20.11.2008 eine Podiumsdiskussion „Zukunftschance Kinder – Bildung von Anfang an“, zu der Guido Seitz, Vorsitzender des Ortsvereins Murr, rund 80 Zuhörer im Murrer Bürger- und Rathaus, darunter den SPD-Bundestagskandidaten Thorsten Majer aus Ingersheim, im Namen der SPD-Ortsvereine Beilstein, Großbottwar, Murr, Oberstenfeld und Steinheim begrüßen konnte.

Kernthemen der Podiumsdiskussion waren die frühkindliche Bildung und die Kinderbetreuung. Die allgemeine Bildungssituation im Land bot zusätzlichen Gesprächsstoff. "Bildung hat etwas mit gesellschaftlicher Verantwortung zu tun", betont Dr. Frank Mentrup, bildungspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion und Vorsitzender des Arbeitskreises Schule, Jugend und Sport, in seinem Referat. Er sprach sich dafür aus, anstatt die Kinder in den verschiedensten Schultypen zu unterrichten, diese individuell besser zu fördern und plädierte dafür, die Eltern stärker in den Bildungsprozess einzubeziehen und sie in ihrer Erziehungsarbeit zu unterstützen. "Mit einer klassischen Halbtagsschulform erreiche ich höchstens, dass die Eltern mal einen Kuchen fürs Büfett beisteuern, mehr nicht."
Auch zum achtjährigen Gymnasium äußerte sich der Experte: Man könne nicht damit zufrieden sein, dass viele Schüler das G 8 nur mit externer Nachhilfe erfolgreich absolvierten. Die Schulen sollten sich darum kümmern, wie sie diese Angebote in ihren eigenen Mauern anbieten könnten. Hier geht es der SPD um die Chancengleichheit, denn private Nachhilfestunden können sich nicht alle Familien leisten.
Mentrups Ausführungen sind Teil der zehn Leitideen zur sozialdemokratischen Bildungspolitik, die die Vorlage zu der anschließenden Podiumsdiskussion bildeten, bei der über bildungspolitische und soziale Fragen diskutiert wurde.
Lars Barteit, stellvertretender Kreisvorsitzender der SPD, moderierte die Veranstaltung eloquent, fachlich fundiert und teilweise aus eigenen Erfahrungen heraus als Eberdinger Gemeinderat. „Vom Wickeltisch bis zum Abitur in einer Stunde“, so fasste Barteit die Fülle von Themen zusammen, die bei der Diskussion auf dem Programm standen.
Eine „Billiglösung“ nannte es Beatrice Kenntner, freiberufliche Diplom-Pädagogin, wenn unter Dreijährige in einem normalen Kindergarten untergebracht werden dürfen. Darunter litten Kinder, Eltern und Fachkräfte. Kenntner setzt sich in der Runde vehement für eine bessere Kleinkinderbetreuung ein.
In diesem Zusammenhang steht auch die Forderung nach einer besseren Ausbildung und Bezahlung von Fachkräften. „Je kleiner die Kinder sind, desto weniger verdienen die Fachkräfte“, stellte Ute Falkenberg, Lehrerin und Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) im Kreis Ludwigsburg, klar. Das stehe im Widerspruch dazu, dass Kinder in ihren ersten drei Jahren am meisten lernen.
Diskutiert wurde auch der Konflikt „öffentliche versus private Bildungseinrichtungen“. Mangelnde Kontrolle von privaten Einrichtungen durch staatliche Instanzen kristallisierte sich hier als größter Kritikpunkt heraus. Beatrice Kenntner ärgerte sich über große Firmen, die in die Kommunen drängen, weil der Bedarf nach Betreuungs- und Bildungseinrichtungen seitens des Staates bzw. der Kommunen nicht gedeckt ist.
"Wir brauchen Ganztagseinrichtungen als Unterstützung, um das alltägliche Leben in den Familien meistern zu können", sagte Rainer Fröbel, Rektor der Erich Kästner Realschule Steinheim. Der Kernpunkt bei dieser Problematik sei, dass dieser Bereich in der Hand der Gemeinde bleiben müsse.
Die Frage „Darf Bildung etwas kosten?“ wurde von allen Podiumsteilnehmern mit einem klaren Nein beantwortet. Der Aspekt Bildung dürfe nicht unter dem wirtschaftlichen Gesichtspunkt, sondern aus humanistischer Sicht betrachtet werden, so der Steinheimer Abiturient Bastian Brucklacher, Juso und SMV-Vertreter am Friedrich-Schiller-Gymnasium Marbach. Weiter führte er aus, aufgrund dessen, dass der Kindergarten Geld kostet, würden ihn viele Kinder nicht besuchen können. Dadurch würden etwa Sprachprobleme bei Kindern noch erhöht. Der Grundstein für einen erfolgreichen Bildungsweg werde bereits im Kindergarten gelegt.
Gemeinde- und Kreisrat Rainer Fröbel aus Murr kündigte an, dass im Kommunalwahlkampf im nächsten Jahr die Förderung von kostenlosen Kindergärten und damit die Beitragsfreiheit auf dem Programm der Murrer SPD stehen werde. "Kindertageseinrichtungen sind Bildungseinrichtungen und Bildung darf nicht zur Ware werden ", betonte Rainer Fröbel.
Auf die Frage des Moderators, "Dürfen Kinder heute noch Kinder sein? Lässt die Bildungsoffensive genug Luft zum Leben?" war sich das Podium in der Antwort einig: Kinder sollen und müssen ihre Kindheit ausleben, plädiert wurde für eine positive Atmosphäre im Schulalltag, es solle die Neugier der Schüler auf Neues geweckt werden.
Auf die Publikumsfrage, "Wie definieren die Experten eigentlich ein gutes Bildungssystem?" antwortete Frank Mentrup, am Ende der schulischen Laufbahn müsse man den Eindruck gewinnen, die Talente der Kinder entdeckt und gefördert zu haben. "Die Kinder sollen zu demokratischen und gesellschaftsfähigen Menschen erzogen werden, die auf ihren eigenen Beinen zurechtkommen", so Mentrup zum Abschluss der Podiumsdiskussion.
Guido Seitz bedankte sich bei den Podiumsteilnehmern für einen spannenden und sehr informativen Abend. Er freute sich gemeinsam mit seinen Kolleginnen und Kollegen der mit veranstaltenden Ortsvereine aus dem Bottwartal über die große Resonanz der Veranstaltung bei den Bürgerinnen und Bürgern und gab ebenfalls seiner Freude darüber Ausdruck, dass auch die Murrer Elternbeiräte und Erzieherinnen trotz der teilweise zeitlich parallel angesetzten Sitzung des Kindergartenausschusses noch die Gelegenheit hatten, der Podiumsdiskussion beizuwohnen.

Guido Seitz (OV Murr)

 

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